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Bei den meisten Mönchengladbacher Parteien sind die Mitglieder aufgerufen, alle zwei (oder 4) Jahre ihre Partei­spitzen neu zu wählen oder in ihren Ehrenämtern zu bestätigen.

Nachdem Grüne und SPD ihre Parteispitzen schon am 28.02.2026 gewählt haben, folgen am kommenden Samstag (21.03.2026) FDP und CDU.

Bei B90/Die Grünen gab es zunächst nur einen Bewerber für den männlichen Part der obligatorischen Doppelspitze.

Erst am Morgen des Parteitages meldete eine Dame ihre Kandidatur für den weiblichen Part an und wurde – wie der männliche Part – in geheimer Abstimmung mehrheitlich gewählt.

Damit gab es wieder eine Partei­spitze, nachdem die bisherigen engagierten Personen – scheinbar genervt von einer kaum funktionierenden Zusammenarbeit mit der Fraktionsspitze – ihren Rücktritt erklärt hatten

Jedoch nur für 1 Jahr; sozusagen „Vorstand auf Probe“. Das war wohl die Bedingung, unter der der „weibliche Part“ angetreten war.

Auch bei der SPD lief im Vorfeld zunächst „nicht alles rund“, weil sich die bisherige und im Februar wiedergewählte Vorsitzende nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag bei der Besetzung von Ratsposten in der Kommunalwahl „durchsetzte“.

Damit konnte ein Vorstandsmitglied „ertragreiche“ Posten nicht mehr einnehmen.

Ergebnis: Dieses Vorstands­mitglied kandidierte nicht mehr erneut und wurde durch eine andere Person ersetzt.

Ein solches „Problem“ dürfte die Mönchengladbacher FDP nicht haben.

Auch ihr Kreisvorsitzender war vorzeitig zurückgetreten, was dazu führte, dass seine beiden Vertreter „geräuschlos“ die „Geschäfte“ weiterführten.

Einer dieser bisherigen Vertreter dürfte am kommenden Samstag den Vorsitz übernehmen und sein bisheriger „Co-Stellvertreter“ dessen Vertretung.

Seit Jahren hat die CDU mit einer internen „Lagerbildung“ zu kämpfen.

Die Folgen aus dieser offensichtlichen Zerstrittenheit spürte man.

Beispielsweise in sinkenden Stimmenanteilen bei Kommunal­wahlen, bei denen sie lange nicht dominierte und nach dem Intermezzo eines „Zufalls-Oberbürgermeisters“ bei diesem Amt der SPD den Vortritt lassen musste

Dies vorweg geschickt stellt sich Betrachtern die Frage, nach welchen Kriterien das einzelne Parteimitglied seine Wahlentscheidung trifft.

Welche Rolle spielen Symphatie und Antiphatie, langjährige freundschaftliche Verbindungen, Aversionen gegen „Gegenkandidaten“, innerparteiliche „Machtspielchen“, oder andere Beweggründe eine Rolle?

Im Einzelnen wird man das nie erfahren, weil die Mitglieder – richtigerweise – in geheimen Wahlen entscheiden.

Gleichwohl kann man grundsätzlichen Fragen nachgehen, wie beispielsweise: 

  • Welche Kompetenzen sollte der Kandidat für den Vorsitz einer Partei auf Kreis-/Stadtebene haben, um die Parteigliederung erfolgreich führen und leiten zu können?
  • Worin liegt der Unterschied zwischen „Führung“ und „Leitung“?
  • Wie wichtig sind berufliche „Hintergründe“?

Die Antworten sind umso wichtiger, wenn man die Tatsache zugrunde legt, dass ein Vorsitzender diese Funktion ehrenamtlich wahrnimmt und – je nach Größe der Partei – als „Chef“ von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fungieren muss.

Rein faktisch macht es also keinen Unterschied, ob eine Person z.B. Führungskraft in der „freien“ Wirtschaft oder aber Parteivorsitzender ist.

Ein erfolgreicher Kandidat für den Parteivorsitz auf lokaler Ebene sollte neben politischer Kompetenz sowohl fachliche, organisatorische als auch soziale Kompetenzen mitbringen:

Politische und strategische Kompetenz

  • Politisches Urteilsvermögen: Verständnis für politische Prozesse, aktuelle Themen und lokale Bedürfnisse.
  • Strategische Planung: Fähigkeit, Wahlkampfstrategien, Positionierungen und langfristige Ziele zu entwickeln.
  • Netzwerkaufbau: Kontakte zu lokalen Organisationen, Vereinen, Verwaltung und Medien.

Organisatorische Kompetenz

  • Projekt- und Eventmanagement: Veranstaltungen, Kampagnen oder Mitgliederversammlungen effizient planen und durchführen.
  • Finanz- und Ressourcenmanagement: Budgetplanung, Mittelbeschaffung und Einhaltung von Regularien.
  • Kommunikation: Interne Kommunikation stärken, Öffentlichkeitsarbeit koordinieren

Führungskompetenz

  • Teamführung: Mitarbeiter:innen, Vorstandsmitglieder und aktive Mitglieder motivieren und koordinieren.
  • Konfliktmanagement: Spannungen innerhalb der Partei oder zwischen Interessengruppen konstruktiv lösen.
  • Vorbildfunktion: Integrität, Transparenz und glaubwürdiges Auftreten.

Soziale und kommunikative Kompetenz

  • Überzeugungsfähigkeit: Wähler:innen, Mitglieder und Partner von Ideen und Positionen überzeugen.
  • Teamorientierung: Zusammenarbeit fördern und unterschiedliche Interessen integrieren.
  • Empathie: Die Anliegen der Mitglieder und der Bürger:innen verstehen und vertreten

In diesem Kontext werden häufig die Begriffe „Führen“ und „Leiten“ genannt und oft synonym benutzt, haben aber subtile Unterschiede, besonders in ehrenamtlichen Organisationen und in Parteien

„Führen“ bedeutet: Menschen begeistern und inhaltlich leiten – im vorliegenden Fall Ehrenamtler & Hauptamtler

„Leiten“ bedeutet: Prozesse und Aufgaben effizient steuern.

Insgesamt sollten Kandidaten (für sich) und könnten die "wählenden" Partei­mit­glieder diese "10-Punkte-Checkliste" vor Augen haben:

  1. Politisches Urteilsvermögen
    • Kennt die lokalen Probleme, Wählerbedürfnisse und politische Rahmenbedingungen.
  2. Strategische Planung
    • Kann Wahlkampagnen, Positionierungen und langfristige Ziele entwickeln und priorisieren.
  3. Teamführung & Motivation
    • Inspiriert Vorstandsmitglieder und Ehrenamtliche, schafft Engagement und Zusammenhalt.
  4. Konfliktmanagement
    • Löser von internen Spannungen, vermittelt zwischen unterschiedlichen Interessengruppen.
  5. Kommunikationsfähigkeit
    • Klar, transparent und überzeugend in interner und externer Kommunikation.
  6. Organisations- und Projektkompetenz
    • Kann Veranstaltungen, Kampagnen und Mitgliederversammlungen effizient planen und umsetzen.
  7. Budget- und Ressourcenmanagement
    • Verwalten von Finanzen, Mittelbeschaffung und Einhaltung gesetzlicher Regelungen.
  8. Netzwerk- und Kooperationsfähigkeit
    • Baut Beziehungen zu Medien, lokalen Institutionen, Vereinen und anderen Parteien auf.
  9. Vorbildfunktion & Integrität
    • Handelt ethisch korrekt, transparent und fördert das Vertrauen innerhalb der Partei.
  10. Anpassungs- und Problemlösungsfähigkeit
    • Reagiert flexibel auf neue Herausforderungen und findet praktikable Lösungen.

 

Gerade in Parteien – gleich welcher Couleur – bilden sich Gruppen, deren Mitglieder ihre spezifisch politischen (manchmal auch rein persönliche) Interessen durchsetzen möchten.

Innerparteiliche Gruppenbildung bei zwei konkurrierenden Kandidaten spielt eine zentrale Rolle im Wahlkampf innerhalb einer Partei – besonders auf Kreis- oder Stadtebene, wo die Mitgliederzahl überschaubar ist und persönliche Beziehungen stark wirken.

Man kann es aus mehreren Perspektiven analysieren.

Eine davon ist die „Form“:

  • Formelle Gruppen: Arbeitskreise, Ortsvereine oder Interessengruppen, die öffentlich oder offiziell Kandidaten unterstützen.
  • Informelle Gruppen: Netzwerke von Freunden, Unterstützern oder „Stillen“ in der Partei, die Einfluss hinter den Kulissen ausüben.
  • Interessensbasierte Gruppen: Personen, die ähnliche politische Positionen, Strategien oder Prioritäten vertreten.

Wie könnten Gruppen funktionieren und welche Dynamiken können sich bei zwei Kandídaten entwickeln?

  1. Unterstützungsbasis schaffen
    Kandidaten mobilisieren Mitglieder für Wahlkampf, Veranstaltungen und Meinungsbildung.
    Starke Gruppen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden.
  2. Strategische Positionierung
    Gruppen helfen Kandidaten, Themen und Positionen zu setzen, die ihre Kernwählerschaft innerhalb der Partei ansprechen.
  3. Kommunikationskanal
    Gruppen dienen als Multiplikatoren für Botschaften, Gerüchte oder Argumente.
    Sie können Meinungen innerhalb der Mitgliedschaft schnell beeinflussen.
  4. Macht- und Einflussstruktur sichtbar machen
    Wer welche Gruppen hinter sich hat, zeigt, wie die interne Macht verteilt ist.
    Häufig entscheidet die stärkste Gruppe, welcher Kandidat mehr Stimmen bekommt.
  5. Konfliktpotenzial
    Gruppenbildung kann zu Fraktionen führen, die die Partei langfristig spalten, besonders wenn Konflikte persönlich oder ideologisch eskalieren. 
    Kann Loyalitäten testen: Mitglieder müssen sich zwischen Kandidaten entscheiden.

  • Schlüsselpersonen (z. B. frühere Vorsitzende, prominente Mitglieder) spielen oft eine entscheidende Rolle, da sie Gruppen beeinflussen können.
  • Kandidaten, die mehr integrative Führungskompetenz zeigen, können Gruppen überparteilich verbinden – das reduziert Spannungen.
  • Kandidaten, die nur auf reine Gruppenloyalität setzen, riskieren eine polarisierte Wahl, die nach der Wahl noch Nachwirkungen auf die Zusammenarbeit hat.

Nach all diesen Überlegungen stellt sich die Frage nach dem realpolitischen Nutzen für die wählenden Parteimitglieder und damit für die Ausrichtung der Partei (hier beispielhaft die Mönchengladbacher CDU) nach dem Parteitag am kommenden Samstag.

Wie schon 2021 haben die Parteimitglieder bei der Wahl des Parteivorsitzenden wieder die Wahl zwischen zwei Bewerbern; damals ging der amtierende Kreisparteivorsitzende (Kandidat K) mit ca. 64% als Gewinner hervor.

Wie schon 2021 zeichnen sich innerhalb der Partei unterschiedliche Lager ab, deren „Auflösung“ nach wie vor nicht gelungen ja sich eher noch verfestigt zu haben scheinen.

Sein damaliger „Mitbewerber“ um das Amt des Parteivorsitzenden hatte in Aussicht gestellt: „Das „Schiff CDU“ müsse in ruhige Gewässer gesteuert werden, die es gelte zu suchen und bei der er gerne der „Kapitän“ werden wolle.“ (Zitat).

Dies war ihm mit einem Stimmenanteil von ca. 35% nicht vergönnt.

Ob der Hinweis (und ein Versprechen?) des damaligen Wahlsiegers, die von ihm „weiter zu entwickelnde Partei“ benötige im aktuell „unruhigen Fahrwasser“ Vertrauen und Verlässlichkeit, gefruchtet hat, ist angesichts der „von außen“ zu beobachtenden Entwicklungen seit 2021 mit einem Fragezeichen zu versehen.

Kurze Erläuterung:
Die Größe der „Blasen“ zeigt, wie stark besondere Kompetenzbereiche bei den Kandidaten ausgeprägt sind, die vertikale Anordnung der Blasen, ob die Fähigkeiten eher in der Führung denn in der Leitung der Kreispartei zu erwarten sind.

Die Profile der „heutigen“ Kandidaten jedenfalls zeigen: Es geht nicht nur um Personen, sondern auch um unterschiedliche Schwerpunkte in Führung und Organisation.

Wenn eine Partei über ihre Führung entscheidet, geht es selten nur um Personalfragen.

Oft spiegeln Kandidaturen auch unterschiedliche Vorstellungen davon wider, wie politische Arbeit organisiert und gestaltet werden soll.

Das zeigt sich auch bei der anstehenden Wahl des Kreisparteivorsitzes.

Mit dem amtierenden Vorsitzenden Kandidat K und seinem Herausforderer Kandidat F stehen zwei Bewerber zur Wahl, deren Werdegänge verschiedene Schwerpunkte erkennen lassen.

Kandidat K ist seit 2021 Kreisparteivorsitzender und seit mehreren Jahren in Partei und Parlament aktiv.

Seine Laufbahn umfasst Tätigkeiten in der Parteiorganisation sowie die Arbeit im Landtag.

Schwerpunkte liegen unter anderem in der landespolitischen Gremienarbeit.

Kandidat F bringt demgegenüber einen beruflichen Hintergrund aus Organisation, Finanzwesen und Verwaltung mit.

Stationen bei der Finanzaufsicht sowie in der Staatskanzlei prägen sein Profil.

Innerhalb der Partei ist er unter anderem als stellvertretender Kreisparteivorsitzender und kommunalpolitischer Mandatsträger aktiv.

Eine Gegenüberstellung der öffentlich bekannten Kompetenzen zeigt Unterschiede in der Gewichtung:

Während Kandidat K vor allem Erfahrungen aus Partei und parlamentarischem Umfeld einbringt, liegt der Schwerpunkt von Kandidat F stärker auf Management, Verwaltung, Steuerung und betriebswirtschaftlichen Aspekten.

Beide Profile decken zentrale Anforderungen an das Amt ab – jedoch mit unterschiedlichen Zugängen.

Die Frage für die Mitglieder dürfte daher weniger sein, ob Kompetenzen vorhanden sind, sondern welche Art von Profil sie an der Spitze ihrer Partei sehen wollen.

Soll der Schwerpunkt stärker auf politischer Erfahrung und gewachsenen Strukturen liegen? Oder auf organisatorischer Steuerung,  Verwaltungskompetenz und innerparteilicher Emphatie ?

Die Antwort darauf könnte entscheidend dafür sein, welchen Kurs die Partei in den kommenden Jahren einschlägt, wie offensiv sie sich um die Belange der Mönchengladbacher Bürger kümmert.

Aber auch, ob und wie der gewählte (neue oder alte) Kreisparteivorsitzende seine möglicherweise bei seiner beim Parteitag am kommenden Samstag aktikulierten Versprechen und Strategien umsetzen wird und es schaftt, die in der Partei vorherrschende Lagerbildung zu beenden.

Kurzer Exkurs in das Thema „Fraktionsvorsitz“

Anders als bei den Parteivorsitzenden haben Parteimitglieder auf die Spitze einer Ratsfraktion keinen Einfluss.

Ein Fraktionsvorsitzender wird ausschließlich durch die Fraktionsmitglieder gewählt, was in Fraktionen, die aus Vertretern mehrerer Parteien besteht, meist schon bei Beginn einer Wahlperiode in Kooperations­ver­ein­barungen festgeschrieben ist.

Fraktionen sind sowohl hinsichtlich der Budgetierung, der Frage der personellen Besetzung mit hauptamt­lichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch in der (kommunal-)politischen Ausrichtung voll­kommen autark.

Setzt sich eine Fraktion ausschließlich aus Vertretern einer Partei zusammen, sind Konflikte zwar nicht „vorprogrammiert“, jedoch auch nicht ausgeschlossen.

So ist in einer Mönchengladbacher Partei zu beobachten, dass es über Jahre nicht erreicht wurde, die Dominanz des Fraktionsvorsitzenden soweit zu „nivellieren“, dass Partei und Fraktion von der Öffentlichkeit als Einheit wahrgenommen wird.

Weil die Wahl der Fraktionsspitze außerhalb des Wirkungsbereichs der Parteimitglieder liegt, führte das dazu, dass innerhalb kürzester Zeit, hochengagierte und kompetente Mitglieder des Parteivorstandes von ihren Ämtern zurücktraten und die Parteispitzen von den Parteimitgliedern neu gewählt werden musste.

Mit der Konsequenz, dass sich kaum noch jemand fand, der sich diesem (ehrenamtlichen) „Stress“ auszusetzen bereit war oder aber Personen gewählt wurden, die diese Funktion zunächst nur für ein Jahr bekleiden wollten, „Parteivorsitz auf Probe“ sozusagen.

Dies auch deshalb, weil – je nach Parteistatut – der Einfluss der Parteispitze (und letztlich die Mit­gliedschaft) auf die (kommunalpolitische) Ausrichtung der Gruppierung ausgesprochen gering ist.

Legt man an die Wahl von Fraktionsvorsitzenden die gleichen Maßstäbe bezüglich „Führung“, „Leitung“ und „Strategie“ an, wie bei der Wahl von Partei­vor­sitzenden, stellt man keine signifikanten Unterschiede fest.

Mit Ausnahme des Aspektes, dass – schon wegen der geringeren Anzahl von „Wahlberechtigten“ in einer Fraktion – die gruppendynamischen Prozesse anders verlaufen (können).

Dies, weil vielfach der Fraktionsvorsitzende seine „Dominanz“ ausspielt und manche Fraktionsmitglieder besonderen Wert auf (ertragreiche) Einkünfte aus den „ehrenamtlichen“ Positionen innerhalb des „kommunalen System“ schielen, glauben, darauf angewiesen zu sein … oder tatsächlich darauf angewiesen sind.

Besonders prekär kann die Gesamtsituation werden, wenn der hauptamtliche Parteigeschäftsführer gleich­zeitig auch hauptamlicher Fraktions­geschäfts­führer ist, er also „zwei Herren dienen“ muss.

Vertiefende Betrachtung zu diesem Problemfeld würde hier den Rahmen sprengen, könnte aber doch von Interesse sein.