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Auslöser für die Umgestaltung des Europaplatzes auf deutlich geringerer Fläche war die erfordliche städtbauliche veränderung auf dem Gelände von „Haus Westland“. 

Nunmehr greift die Planung weit über das bisher bebaute Gelände hinaus und verdrängt die ÖPNV-Fläche in erheblichem Maße in Rüchtung Hauptbahnhof, wodurch eine neue Organisation des Platzes erforderlich wird.

Wollte die Stadt in der Anfangsphase der Planungen dem potenziellen Investor noch zusätzlich zum Areal Haus Westland noch 5 Meter „abtreten“, wurden im Wettbewerbsverlauf von Baudezernent Dr. Bonin (CDU) unter dem Label „mg+“ daraus zunächst 20 Meter und später ohne weitere Diskussion 50 Meter im politischen Raum und in der Öffentlichkeit, also das Zehnfache der ursprünglich vorgesehen „Abgabe“ an öffentlicher Fläche.

Über die Folgen für die Bürger hat der Arbeitskreis Mobilität & Verkehr der von B90/Die Grünen unter Leitung von Thomas Dieh, auch Mitglied im Planungs- und Bauausschuss, mit zahlreichen Gästen im Juli und August ausführlich beraten.

Zwar herrscht Einigkeit darüber, dass der Platz schon seit Jahren anders hätte organisiert werden müssen, die derzeitigen Skizzen der Verwaltung treffen jedoch auf großes Unverständnis und Skepsis.

Aus Sicht der grünen Verkehrsexperten hat es die planende Verwaltung offenbar nicht geschafft, in ihren Entwürfen auf dem künftig verbleibenden Platz den Bedarf an Haltestellen zu decken – vielmehr arbeitet sie mit bürgerunfreundlichen Notlösungen.

So sind für blinde, sehbehinderte, ortsfremde und mobil eingeschränkte Menschen die großen Entfernungen von teils über 200 Metern zwischen Bahnhofseingang und Bushaltestellen ebenso eine Zumutung, wie die Überlegung, Busse künftig je nach Situation an den unterschiedlichsteen Bussteigen halten zu lassen.

Diese unübersichtliche und weitläufige Situation sei eine Belastung für alle, die den Platz nutzen, für bestimmte Gruppen wird die Benutzung so nahezu unmöglich.

Auch die geplante Wegnahme der Taxen im Vorfeld des Haupzsbahnhofes und die allgemeine Nicht-Beachtung des Zusammenspiels aller Verkehrsträger in der Umgebung des Bahnhofs ist der Funktion eines Bahnhofs und insbesondere des hochtrabenden Namens „Mobilitätshub der Zukunft“ unwürdig.

Der Arbeitskreis daher einen Fragenkatalog mit 25 Fragen erstellt, die auf die schwierige Situation zum „Mobilitätshub der Zukunft“ hinweisen und unbedingt geklärt sein müssen, bevor die Planungen fortgesetzt werden.

Unabdingbar sei es, in die weiteren Planung unbedingt auch den Bereich zwischen Hauptbahnhof und dem Berufskolleg einzubeziehen und damit das gesamte Areal zu einem „Mobilitätshub der Zukunft“ zu machen.

Der Fragenkatalog wurde dem Oberbürgermeister, der Inklusionsbeauftragten der Stadt und dem Baudezernenten zugeleitet.

„Der Bahnhof Mönchengladbach könnte in der Tat ein ‚Mobilitäts-Hub der Zukunft‘ werden, wenn eine gute Beratung mit allen Betroffenen und im entsprechenden Rahmen vorgeschaltet wird. Sich mit einem unter Zeitdruck erstellten „Notfallplan“ im wahrsten Sinne des Wortes die Zukunft zu verbauen, kann die Stadt sich nicht leisten“, fasst Thomas Diehl, Leiter des Arbeitskreises, die Diskussion zusammen.

Fragenkatalog mit 25 Fragen in vier Kategorien

Barrierefreiheit

  • Welches Konzept gibt es für die barrierefreie und eindeutige Leitung aller Verkehre (Fuß, Rad und ÖPNV)?
  • Wie ist in diesem ein Markierungskonzept der Wegebeziehungen (taktil und optisch) vorgesehen?
  • Wie werden Furten gestaltet, die ein Durchqueren des Bereichs und die Erreichbarkeit aller Haltestellen mit Rollstuhl oder Rollator ermöglichen?
  • Welche Maßnahmen sind geplant, diese Furten zur Benutzung freizuhalten?
  • Wie werden ausreichende Wegbreiten in allen Bereichen einschließlich der Haltestellen gewährleistet?
  • Wie ist die in der Presse angedeutete Praxis, Buslinien nicht immer an der gleichen Haltestelle anzubieten, mit der erforderlichen Barrierefreiheit vereinbar?
  • Nach welchen Standards werden (alle) Haltestellen für ein barrierefreies Aus- und Zusteigen gestaltet?
  • Wie ist die Entfernung von über 200 Metern vom Bahnhofeingang bei einigen der aktuell vorgesehenen Haltestellen, insbesondere in der Sittardstraße und östlich der Humboldtstraße, mit der erforderlichen Barrierefreiheit vereinbar?
  • Wie ist der Stand der erforderlichen Planungen zum flächendeckenden Einsatz akustischer Haltestellenansagen im Busverkehr?
  • Wie sind die Einschätzungen betreffs der (für eine Förderung unabdingbaren) Barrierefreiheit der Planungen seitens des VRR?

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

  • Was genau ist in diesem Konzept unter einem „Hub“ zu verstehen?
  • Wie sieht das vollständige den Europaplatz querende Liniennetz und der damit verbundene Haltestellenbedarf unter dem Aspekt „Förderung des ÖPNV“ aus?
  • Wie sichert das Konzept die Flexibilität, auf zukünftige Bedarfe, insbesondere eine Zunahme der ÖPNV-Angebote oder die Überlegungen zu einer Straßenbahn zu reagieren?
  • Welches Potenzial hat der Bahnhofsbereich, neue Angebote wie Bike- und Carsharing vorzuhalten?
  • Warum zeigt die zuletzt gezeigte Skizze der künftigen Platzgestaltung keine Bushalte an der Nordseite der Hindenburgstraße (vor den „19 Häusern“)?

Bahnhofsumgebung

  • Wieso gibt es keine parallele Beplanung des Bereichs Europaplatz, um den Bahnhofsbereich als Gesamtkontext zu organisieren?
  • Ist es möglich, den Fernbusbahnhof von seiner aktuellen peripheren Lage stärker in Bahnhofsnähe, etwa auf den Parkplatz der ehemaligen Postfiliale entlang der Heinrich-Sturm-Straße, zu verlegen?
  • Welches Konzept für die Bekämpfung von Angsträumen im Umfeld, etwa der Unterführung der Heinrich-Sturm-Straße, gibt es?

Weitere Aspekte

  • Wie sind Bedarfe und typisches Mobilitätsverhalten der Nutzer/-innen des Bahnhofs in der Planung des Platzes berücksichtigt?
  • Sind Goeben-, Sittard- und Humboldtstraße in Zukunft autofrei? Wie wirken sich die Änderungen der Verkehre auf dem Europaplatz auf die Hindenburgstraße zwischen Humboldtstraße und Eickener Straße aus?
  • Ist es möglich, den Taxiverkehr als Kehre am künftigen Ende der Goebenstraße einzurichten?
  • Wie wird der Radverkehr künftig über den Europaplatz geführt?
  • Wie werden in Zukunft ausreichende Abstellplätze für Fahrräder auf der Nordseite des Bahnhofs sichergestellt?
  • Wie weit ist der Investor des Projekts „19 Häuser“ an den Kosten des Umbaus, die er zu nicht geringem Teil erforderlich gemacht hat, beteiligt?
  • Welche städtebaulichen Funktionen und Qualitäten wurden bei der Gestaltung des Platzes berücksichtigt?
  • Wie wird die Funktion als repräsentatives Eingangstor zur Stadt und als deutlicher Abschlusspunkt der Fußgängerzone berücksichtigt?