Hinweis der Redaktion: Ausnahmsweise unterbleibt aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes die Nennung des Klarnamens der Autorin/des Autors • Im Fokus steht allein der Inhalt des Beitrags.
Es war ein langer, dunkler Weg bis zu der Einsicht, die Kalle schließlich rettete: „Ich bin Alkoholiker.“
Heute ist Kalle trocken und teilt seine Geschichte, um anderen Betroffenen in Mönchengladbach Mut zu machen.
Er hat den Ausweg aus dem Kontrollverlust gefunden – dank ärztlicher Hilfe, einer Therapie und der Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker (AA):
„Lange Zeit war mein Leben von der Notwendigkeit bestimmt, Alkohol trinken zu müssen.
Der schleichende Kontrollverlust war das wesentliche Merkmal meiner Suchterkrankung.
Es ging nicht mehr mit, aber auch nicht mehr ohne Alkohol.
Dieser Zustand hielt an, bis ich meinen persönlichen Tiefpunkt erreichte.
Die Hosen heruntergelassen
Der Weg aus dieser Sackgasse begann mit einem ehrlichen „Hinschauen“ – ohne die üblichen Verharmlosungen wie „andere trinken auch“.
Ich musste mir eingestehen: Ich hatte den ‘Point of No Return’ überschritten.
Der erste mutige Schritt war der Gang zum Hausarzt.
Dort habe ich „die Hosen heruntergelassen“ und ehrlich darüber sprechen können, was mit mir los ist.
Mein Hausarzt kannte sich aus, verharmloste nicht und gab mir die Unterstützung, die ich brauchte.
Er vermittelte mich in einen geschützten Ort: eine Klinik zur Entgiftung und anschließenden Therapie.
Dort konnte ich vieles aufarbeiten und die notwendige Krankheitseinsicht gewinnen.
Hilfe zur Selbsthilfe
Nach der Therapie war klar, dass ich begleitende Unterstützung brauche.
Die Anonymen Alkoholiker (AA) kamen schon während der Klinikzeit zu uns und haben durch das Teilen ihrer Erfahrungen einen Hoffnungsschimmer geweckt.
Sie zeigten mir, dass auch ich ein würdevolles Leben ohne Alkohol führen kann.
Heute gehe ich zu den Gruppentreffen.
Dort erfahre ich „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Getreu dem Motto: „Nur du alleine kannst es schaffen, aber alleine schaffst du es nicht.“
In den Stunden redet jeder nur von sich, niemand wird bewertet oder belehrt mit „du musst“ oder „du sollst“.
Neuanfang ist möglich
„Heute keinen Alkohol zu trinken bedeutet für mich nicht Verzicht, sondern Freiheit“, erklärt Kalle weiter.
Es bedeute ihm, die Verantwortung für die nächsten 24 Stunden zu übernehmen, anstatt sich von der Angst vor der Zukunft überwältigen zu lassen.
Es sei der Fokus auf das Hier und Jetzt, „der ihm die Kraft gibt, trocken zu bleiben“.
Das Geheimnis des Erfolgs liegt nicht in einem lebenslangen Versprechen, sondern in einer einfachen täglichen Entscheidung.
Die Kraft der Gemeinschaft
Das Herzstück der AA sind die Meetings, bei denen Betroffene offen über ihre Probleme sprechen.
„Solange wir reden, trinken wir nicht“, lautet ein Grundsatz.
In der Gemeinschaft, in der alle Mitglieder das gleiche Schicksal teilen, findet Kalle Unterstützung und Verständnis, die er in seinem Umfeld oft vermisst hat.
„Dort sind betroffene Menschen, die mir zeigen, dass ich mit meiner Sucht nicht alleine bin“, so Kalle.
In den Meetings der Anonymen Alkoholiker (AA) trifft er auf Menschen aus allen sozialen Schichten, die mitten im Leben stehen.
Das unsichtbare Gesicht der Sucht
Das Bild des „Säufers unter der Brücke“ hält sich hartnäckig in den Köpfen unserer Gesellschaft.
Doch die Realität der Krankheit ist eine andere.
Alkoholismus ist eine demokratische Krankheit: Sie fragt nicht nach dem Kontostand oder dem Bildungsgrad.
„Viele Betroffene funktionieren jahrelang auf höchstem Niveau, bevor die Fassade bröckelt“, erklärt Kalle.
Das Ziel der Gemeinschaft sei es, genau diese Menschen zu erreichen, die aus Scham oder Angst um ihren sozialen Status keine Hilfe suchen.
Anonymität als Schutzschild
Bei den AA ist der Vorname Programm.
Ob Kalle, Anne oder Günther – im Meeting zählt nur der gemeinsame Wunsch, trocken zu bleiben.
Kalle betont, dass Anonymität auf öffentlicher Ebene für die Anonymen Alkoholiker das höchste Gut ist, um einen sicheren Raum für Genesung zu bieten.
Hier wird keine Biografie bewertet, sondern Erfahrung, Kraft und Hoffnung geteilt.
Hilfe ist nur ein Gespräch entfernt
Die Treffen in Mönchengladbach stehen jedem offen.
Es gibt keine bürokratischen Hürden, keine Kosten und keine Verpflichtungen.
Wer das Gefühl hat, die Kontrolle über seinen Konsum zu verlieren, findet bei den AA eine Gemeinschaft, die zeigt: Du bist nicht allein – und deine soziale Herkunft spielt keine Rolle.
Treffen in Mönchengladbach
Um dieses neue Leben zu festigen, besucht Kalle wöchentlich die Gruppe der Anonymen Alkoholiker in Mönchengladbach-Rheydt.
Betroffene, die ebenfalls Hilfe suchen, sind herzlich willkommen.
- Wann: regelmäßig jeden Donnerstag um 19:00 Uhr
- Wo: Ernst-Christoffel-Haus,
Wilhelm-Strauß-Straße 34,
41236 Mönchengladbach-Rheydt
Hinweis: Dieser Bericht basiert auf den persönlichen Erfahrungen eines Betroffenen und dient der Information über das Angebot der Anonymen Alkoholiker:
Internet: www.anonyme-alkoholiker.de
In Deutschland erreichen Sie unsere Telefon-Hotline täglich von 09:00 – 21:00 Uhr unter +49 30 / 20 62 982-12









