Schon seit der Kommunalwahl 2014 gibt es die BZMG-Themenreihe „Der Hauptverwaltungsbeamte, das weitgehend unbekannte Wesen …“, die das Ziel hat, Transparenz in diese „Personalie“ zu bringen und mit diesem Teil VIII fortgeschrieben wird.
Vieles hat sich seitdem nicht verändert.
Geblieben sind die Fragen, die umfassend in der BZMG-Themenreihe „Der Hauptverwaltungsbeamte, das weitgehend unbekannte Wesen …“ behandelt werden:
- Aufgaben und Bezahlung
- Die Anforderungen • Risiken für die Stadtgesellschaft
- Die „Bewerbung“
- Spannungsfelder
- Der Hauptverwaltungsbeamte und sein politischer Einfluss
Die Personen haben in Mönchengladbach gewechselt, das Grund-Dilemma jedoch ist geblieben:
Die Amtsinhaber
- sind weder Verwaltungsprofis, noch verfügen sie über Führungs- und Leitungserfahrung
- werden im Gegensatz zu den (übrigen) Dezernenten nominell nur für 5 Jahre (von den Bürgern) gewählt und sind in diesem Zeitraum von den für 8 Jahre (durch den Stadtrat) gewählten Dezernenten und vor allem den Verwaltungsmitarbeitern „abhängig“,
- sehen sich der sie stützenden Partei gegenüber verpflichtet,
- orientieren sich an den Ausrichtungen der sich ggf. bildenden Kooperationen/Mehrheiten,
- versuchen, durch direkte oder indirekte Einflussnahme (z.B. im Rahmen obligatorischer) „Montagsrunden“ in ihrem Sinne auf die Kooperation einzuwirken.
Aller Erfahrung nach ist es sehr unwahrscheinlich, dass einer der neun Kandidaten für das Amt des Hauptverwaltungsbeamten im „1. Wahlgang“ am 14.09.2025 mehr als 50% der Stimmen der Mönchengladbacher Wahlberechtigten erringen wird, so dass es am 28. September 2025 zu einer „Stichwahl“ kommt.
Reale Chancen, es in die Stichwahl zu schaffen, haben Amtsinhaber Felix Heinrichs (SPD), Dr. Christof Wellens (CDU) und Marcel Klotz (B90/Die Grünen).
Wenig Chancen werden Reiner Gutowski (FDP) und Sebastian Merkens (DIE LINKE) eingeräumt.
Keine Chancen dürften Martin Sonneborn (Die PARTEI) und die beiden Einzelbewerber Michael Engel und Jannik Kontalis haben.
Eine schwer kalkulierbare Rolle könnte Micheal Immel (AfD) zufallen.
Dies auch vor dem Hintergrund, dass mindestens Heinrichs, Dr. Wellens und Klotz schon zu Beginn des Wahlkampfs für sich ausgeschlossen hatten, sich in Podiumsdiskussionen mit Immel inhaltlich auseinderzusetzen und er so (dankend) in eine Art „Opferrolle“ schlüpfen konnte.
Wie erfolgreich er damit ist, wird sich erweisen.
Das war die Ausgangssituation für eine KI-unterstützte Analyse, die visualisiert zu diesen Einordnungen der maßgeblichen Kandidaten für das Amt des Hauptverwaltungsbeamten der Stadt Mönchengladbach kommt, wobei schwerpunktmäßig diese Themenfelder in den Mittelpunkt gestellt wurden:
- Der Politische Stil
- Die Ausrichtung zu sozialen Fragestellungen
- Die Einstellung zu Fragen von wirtschaftlicher und technologischer Entwicklung
- Die Positionierung zu Fragen der Migrationspolitik
und schlussendlich
- Das Spannungsfeld „Soziales vs. Wirtschaftlich-technologisches“
Worauf basieren die Einschätzungen?
Die Einschätzungen zu politischen Stilen und thematischen Schwerpunkten der OB-Kandidaten basieren auf einer Kombination aus
Öffentlich verfügbaren Informationen
- Inhalte von Wahlprogrammen und Positionspapieren der jeweiligen Parteien bzw. der Kandidaten.
- Presseberichte, Interviews, Social-Media-Statements und offizielle Webseiten.
- Berichterstattung lokaler Medien in Mönchengladbach (z. B. Rheinische Post, RP-Online, Lokalzeitungen, kommunale Mitteilungen).
Partei- und Programmanalyse
- Grundsätzliche politische Ausrichtung und typische Themenprioritäten der jeweiligen Parteien (SPD, CDU, Grüne, AfD, FDP, LINKE).
- Vergleich mit früheren Wahlkämpfen und bekannten Positionierungen der Parteien auf kommunaler Ebene.
Politikwissenschaftliche Einordnung
- Politische Spektren (links–rechts, ideologisch–pragmatisch).
- Thematische Dimensionen (soziale Fragen, Wirtschaft/Technologie, Migration).
- Typisierung von Politikstilen (z. B. konsensorientiert vs. konfrontativ).
Klare „Lager“ im politischen Raum
In einer Gegenüberstellung der Kandidaten entlang zweier Achsen – politische Ausrichtung und thematische Schwerpunktsetzung – ergeben sich deutliche Cluster.
- Wirtschaftlich-technologisch orientiertes Lager (rechts der Mitte): Dr. Christof Wellens (CDU) und Reiner Gutowski (FDP) setzen stark auf Wirtschaftswachstum, Infrastruktur und Digitalisierung.
- Sozialpolitisch geprägtes Lager (links): Felix Heinrichs (SPD), Marcel Klotz (Grüne) und Sebastinan Merkens (LINKE) legen ihren Fokus auf soziale Gerechtigkeit, Bildung und ökologische Fragen.
- Rechtsaußen: Michael Immel (AfD) verbindet und kombiniert wirtschaftliche Argumente mit ausgesprochen migrationskritischen Positionen.
„Diese Anordnung zeigt nicht nur politische Unterschiede, sondern auch unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft Mönchengladbachs“, sagt ein Politikbeobachter.
Wie lassen sich die Kandidaten für das Amt des Hauptverwaltungsbeamten chrakterisieren?
Obwohl sich die Kandidaten um einen „Arbeitsplatz“ bewerben und den Status eines „Beamten auf Zeit“ erwerben würden, bleiben sie Politiker, u.a. weil sie „qua Amt“ Mitglied des Stadtrats und in dieser Funktion (meist) auch stimmberechtigt sind.
Die Charakterisierung von Politikern umfasst im Wesentlichen die Analyse ihrer Themen, Handlungen, Motivationen und der Art und Weise, wie sie politische Entscheidungen beeinflussen.

Felix Heinrichs
(SPD)
Jahrgang / Beruf
Jahrgang: 1989
Beruf: Oberbürgermeister
Auszug aus Themenportfolio
- Strukturwandel & Wissens- und Innovationscampus: Die Stadt Mönchengladbach hat eine Stabsstelle Strukturwandel eingerichtet, um den Ausstieg aus der Braunkohle zu gestalten – dazu gehört auch der Wissens- und Innovationscampus als Zukunftsprojekt.
- Verkehrswende & Innenstadtentwicklung: Fokus auf Rad- und Fußgängerfreundlichkeit, barrierefreien ÖPNV und Lärmaktionsplan. Förderprojekte wie der Theaterpark und Quartiersplatz in Rheydt unter Städtebauförderung „Soziale Stadt“.
Teilnahme an einer Stichwahl
hochwahrscheinlich
Kommunalpolitische Optionen bei Nicht-Wahl
Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion & andere Vorsitze von kommunalpolitischen Gremien / Aufsichtsratsposten bei städtischen Beteiligungsgesellschaften

Dr. Christof Wellens
(CDU)
Jahrgang / Beruf
Jahrgang: 1962
Beruf: Rechtsanwalt
Auszug aus Themenportfolio
-
Wohnen & Baugenehmigungen: Klare Kritik an sinkender Genehmigungszahl und Forderung, Wohnen zur „Chefsache“ zu machen.
-
Masterplan Handwerk & Bürokratieabbau: Forderung nach „Fast-Lane“ für Handwerk, mehr Bürokratieabbau, bessere Rahmenbedingungen.
-
Sanierung & Infrastruktur: Fokus auf Schulen, Sportstätten. Details zu seinen Zielen auf seiner Kandidatenseite.
Teilnahme an einer Stichwahl
möglich / wahrscheinlich
Kommunalpolitische Optionen bei Nicht-Wahl
Dr. Wellens hat in einem aktuellen RP-Interview erklärt: „… Ich trete als Chef der Verwaltung an, nicht als Politiker.“ (Zitat Ende)
Die Haltung wird dadurch untermauert, dass er sich nicht – wie die anderen OB-Kandidaten – in einem Wahlbezirk zur Wahl stellt.
Selbst sein Platz 1 auf der Reserverliste zum Stadtrat könnte nicht reichen, wenn die CDU nicht mehr Direktmandate erreicht, als ihr nach dem gesamtstädtischen Stimmenanteil zusteht, die CDU-Reserveliste also nicht relevant würde.

Marcel Klotz
(B90/Die Grünen)
Jahrgang / Beruf
Jahrgang: 1959
Beruf: Dipl.-Betriebswirt / Geschäftsführer
Auszug aus Themenportfolio
Schwerpunkt auf Rathausneubau, Stadtbegrünung, Klimaschutz, Digitalisierung, Integration, Stadtbild, Sicherheit und Hochschulausbau – detailliert auf seiner Kandidatenseite dargestellt.
Teilnahme an einer Stichwahl
möglich / wahrscheinlich
Klotz hat in seiner Bewerbungsrede als OB-Kanditat der Grünen auf einer Mitgliederversammung erklärt, sein Ziel wäre, es zumindest in die Stichwahl zu schaffen.
Kommunalpolitische Optionen bei Nicht-Wahl
Sollte er nicht zum Hauptverwaltungsbeamten gewählt werden, bliebe er Ratsmitglied, ggf. Fraktionsvorsitzender der Grünen, Mitglied in der Bezirksvertretung SÜD, vielleicht wieder stellvertretender Bezirksvorsteher und Aufsichtsratsmitglied im Bereich Wirtschaft und Innovation

Michael Immel
(AfD)
Jahrgang / Beruf
Jahrgang: 1960
Beruf: Dipl.-Kaufmann
Auszug aus Themenportfolio
Fokus auf Migration, innere Sicherheit, nationale Souveränität und bekannte AfD-Themen entstammen seiner persönlichen Webseite bzw. politischen Vorstellung.
Teilnahme an einer Stichwahl
möglich
Kommunalpolitische Optionen bei Nicht-Wahl
Sollte er nicht zum Hauptverwaltungsbeamten gewählt werden, würde er Ratsmitglied und Fraktionsvorsitzender der AfD

Reiner Gutowski
(FDP)
Jahrgang / Beruf
Jahrgang: 1964
Beruf: Geschäftsführer FDP
Auszug aus Themenportfolio
Digitalisierung der Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Transparenz (z.B. öffentlicher Verwaltungsrat) stammen von seiner eigenen politischen Webpräsenz
Teilnahme an einer Stichwahl
unwahrscheinlich
Kommunalpolitische Optionen bei Nicht-Wahl
Sollte er nicht zum Hauptverwaltungsbeamten gewählt werden, bliebe er Ratsmitglied, Mitglied in der Bezirksvertretung SÜD, …

Sebastian Merkens
(DIE LINKE)
Jahrgang / Beruf
Jahrgang: 1980
Beruf: Landesgeschäftsführer DIE LINKE
Auszug aus Themenportfolio
Betont soziale Gerechtigkeit, Kinderarmut, Jugendhilfe, Teilhabe und linke Perspektiven gegen symbolischen Städtebau – aufgeführt auf der Website der LINKEN und lokalen Nachrichten.
Teilnahme an einer Stichwahl
unwahrscheinlich
Kommunalpolitische Optionen bei Nicht-Wahl
Sollte er nicht zum Hauptverwaltungsbeamten gewählt werden, würde er Ratsmitglied und Fraktionsspecher einer Fraktion DIE LINKE
Exkurs
Ein Eintritt von VOLT in die Mönchengladbacher Kommunalpolitik – auch ohne eigenen OB-Kandidaten – kann durchaus spürbare Effekte haben, vor allem, weil die Partei thematisch und wählerstrukturell in mehrere Richtungen wirken könnte.
1. Thematische Verschiebung in Richtung pro-europäisch und urban-progressiv
- VOLT steht klar für proeuropäische Politik, Klimaschutz, Digitalisierung und Bürgerbeteiligung.
- Das kann den kommunalen Wahlkampf stärker auf Zukunftsthemen und weniger auf rein klassische Verwaltungsthemen lenken.
- Kandidaten, die ähnliche Themen bedienen (Grüne, SPD), könnten versuchen, diese Inhalte stärker zu betonen, um VOLT-affine Wähler zu gewinnen.
3. Indirekter Einfluss auf die OB-Wahl
Da VOLT keinen OB-Kandidaten stellt, können deren Kommunalwahllisten-Ergebnisse indirekt wirken:
- Vor der Stichwahl: VOLT könnte sich klar für einen Kandidaten positionieren (wahrscheinlich SPD oder Grüne) und damit im zweiten Wahlgang eine Empfehlung abgeben.
- Nach der Wahl: Eine starke VOLT-Fraktion im Rat könnte Kooperations- oder Mehrheitsbildungen beeinflussen, was wiederum die Arbeit des OB prägen könnte.
2. Wählerpotenzial bei jungen, gut ausgebildeten Stadtbewohnern
- VOLT-Wählerprofile aus anderen Städten zeigen: Überdurchschnittlich jung, akademisch, urban, häufig Erst- oder Wechselwähler.
- In Mönchengladbach könnte das vor allem die Grünen und SPD treffen, weil sich deren urbane Stammwählerschaft mit der VOLT-Zielgruppe überschneidet.
- In kleineren Wahlbezirken mit hoher Studierenden- oder Pendlerquote könnten so 2–5 % Stimmenverschiebung möglich sein.
4. Potenzielle „Zünglein-an-der-Waage“-Funktion
Angenommen, VOLT holt bei der Ratswahl einen maßgeblichen Stimmenanteil ohne OB-Kandidat:
- Erster Wahlgang: VOLT-affine Wähler verteilen sich vermutlich auf SPD/Grüne, der Rest bleibt zuhause oder wählt kleinere Kandidaten.
- Stichwahl: Eine Wahlempfehlung könnte gerade in einer Wahl mit geringer Beteiligung (31 % wie 2020) das Zünglein an der Waage sein.
Schlussfolgerungen & Fazit
Es war noch nie so schwierig eine Prognose für den Ausgang einer Kommunalwahl in Mönchengladbach abzugeben.
Ursache dafür ist, dass sich spätestens seit der Bundestagswahl Anfang 2025 das Erstarken der AfD auch auf die kommunale Ebene auswirkt und auch DIE LINKE – ebenfalls dem Bundestrend folgend – stärker abschneiden könnte, als bei den vergangenen Kommunalwahlen.
In diesem Kontext muss konstatiert werden, dass die Wählerinnen und Wähler, die bei der Bundestagswahl AfD und DIE LINKE gewählt haben – so sie denn ideologisch geprägt sind – unabhängig von kommunalen Themen kaum ein andere politische „Richtung“ wählen werden.
Das wird wohl kaum dazu führen, dass der linke OB-Kandidat es in die Stichwahl schafft, beim AfD-Kandidaten kann man da nicht so sicher sein.
Die Entscheidung, welche zwei Kandidaten in der Stichwahl gegeneinander antreten dürfen, treffen die Wählerinnen und Wähler am 14. September.
VOLT wird zwar nicht den OB stellen, aber die Partei kann den Wahlkampf thematisch verschieben, urbane Milieus mobilisieren und in einer knappen Stichwahl entscheidend sein.
Besonders spannend wird, ob sie sich aktiv für einen OB-Kandidaten positionieren – das könnte Heinrichs (SPD) oder Klotz (Grüne) im entscheidenden Moment einen Schub geben.