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Überlegungen zur Gestaltung deiner nächsten Lebensphase

Liebe Regina,

 

letzten Mittwoch haben wir – wie schon einmal früher – darüber gesprochen, wie du die nächsten Jahre beruflich, finanziell und persönlich gestalten möchtest.

Dabei hatte ich den Eindruck, dass es bei deiner Frage nach der Rente eigentlich um etwas viel Größeres geht.

Nicht nur um die Frage: „Wann kann oder sollte ich in Rente gehen?“

Sondern eher um die Frage: „Wie möchte ich in den nächsten Jahren eigentlich leben – und wie kann ich meine Arbeit und meine finanzielle Situation so gestalten, dass das zu diesem Leben passt?“

Und genau darüber habe ich noch einmal ein bisschen nachgedacht.

Nicht, weil ich dir sagen möchte, was du tun solltest. Das musst, kannst und wirst nur du selbst entscheiden.

Ich wollte einfach einmal versuchen, die Gedanken, die bei unserem Gespräch entstanden sind, ein bisschen zu sortieren.

Vielleicht ist ja der eine oder andere dabei, der für dich interessant ist.

Deine Situation ist eigentlich ziemlich besonders

Du arbeitest heute für ungefähr 4.500 € brutto im Monat.

Und deine Arbeit ist – soweit ich das einschätze – eine Tätigkeit, bei der deine Erfahrung und dein Wissen eine große Rolle spielen und bei der du gleichzeitig relativ viel selbst bestimmen kannst.

Das finde ich für die nächsten Jahre durchaus wichtig, denn offenbar bist du nicht in der Situation, dass du unbedingt aufhören musst.

Aber du musst vielleicht auch nicht unbedingt genauso weitermachen wie bisher; auch darüber sprachen wir schon mal 😉

Und genau da sehe ich einen gewissen Spielraum.

Du könntest etwas verändern, ohne gleich alles verändern zu müssen.

Auch deine Wohnsituation gehört natürlich dazu. Deine Warmmiete liegt inzwischen bei ungefähr 950 € im Monat.

Das ist heute bei deinem Einkommen etwas anderes als später bei einer deutlich niedrigeren Rente.

Deshalb schaust du bei allen Überlegungen nicht nur auf die spätere Rentenhöhe, sondern immer auf das Ganze:

Was kommt monatlich herein, was geht für Miete, Krankenversicherung, Steuern und die anderen regelmäßigen Dinge weg?

 

Und vor allem:

Was bleibt dir dann noch für das Leben, das du eigentlich führen möchtest? Denn darum geht es am Ende ja.

Und was ist eigentlich mit deiner Rente?

Hier kann man im Moment überhaupt noch keine Zahl in den Raum stellen.

Du hast eine längere Zeit selbstständig gearbeitet. Deshalb ist es durchaus möglich, dass in dieser Zeit weniger gesetzliche Rentenansprüche entstanden sind; das ist für die nichts Neues.

Andererseits gibt es bei dir mehrere Dinge, die berücksichtigt werden müssen:

  • deine bisher erworbenen Rentenansprüche,
  • der Versorgungsausgleich aus deiner früheren Ehe,
  • die Kindererziehungszeiten für eure beiden Kinder,
  • möglicherweise weitere rentenrechtliche Zeiten
  • und natürlich die Ansprüche, die durch deine heutige Beschäftigung noch dazukommen.

Gerade deshalb glaube ich, dass es sinnvoll wäre, zuerst einmal herauszufinden, was tatsächlich in deinem Rentenkonto steht.

Die Renteninformation und vor allem der Versicherungsverlauf dürften dabei wesentlich mehr Klarheit bringen als jede noch so schöne Rechnung auf dem Papier.

Interessant wäre zum Beispiel:

Was würdest du bekommen, wenn du zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Rente gehst?

Was wäre es, wenn du noch ein oder zwei Jahre – beispielsweise bis 68 oder länger – weiterarbeitest?

Und was bringen die zusätzlichen Jahre an Rentenansprüchen wirklich?

Erst wenn man diese Zahlen kennt, kann man vernünftig vergleichen.

Vielleicht ist es gar keine Entscheidung zwischen „Arbeiten“ und „Rente“

Das ist eigentlich der Gedanke, der mir bei unserem Gespräch am meisten hängen geblieben ist.

Vielleicht muss die Frage gar nicht lauten: „Arbeite ich weiter oder gehe ich in Rente?“, sondern „Wie möchte ich Arbeit und mein eigenes Leben in den nächsten Jahren miteinander verbinden?“

Ich sehe da zunächst mehrere Möglichkeiten.

Du könntest einfach so weitermachen wie bisher.

Das hätte den Vorteil, dass dein Einkommen weiterhin gut ist und du gleichzeitig weitere Rentenansprüche aufbaust.

Wenn dir deine Arbeit weiterhin Freude macht und du sie so gestalten kannst, wie du es möchtest, ist das ja keineswegs eine schlechte Lösung.

 

Nur: Dein Leben würde sich dadurch zunächst auch nicht besonders verändern; der Stress und die bekannten Folgen würden – wie auch immer – bleiben.

Oder: Du könntest deine Arbeit nach und nach reduzieren, was ich persönlich einen ziemlich interessanten Gedanken finde.

Nicht unbedingt von heute auf morgen. Vielleicht einfach zunächst ein bisschen weniger.

Und irgendwann noch ein bisschen weniger, bis du vielleicht nur noch die Dinge machst, die dir wirklich Freude machen oder bei denen du sagst: „Dafür möchte ich meine Erfahrung noch einsetzen.“

Damit hättest du weiterhin deine geistige Beschäftigung und ein eigenes Einkommen, würdest aber gleichzeitig Schritt für Schritt mehr freie Zeit bekommen.

Und vielleicht ist gerade das für dich interessanter als ein großer Schnitt an einem bestimmten Tag.

Eine weitere Möglichkeit wäre, Rente und Arbeit miteinander zu verbinden.

Du hattest selbst einmal die Idee angesprochen, beispielsweise eine Rente zu beziehen und daneben noch in einem reduzierten Umfang weiterzuarbeiten.

Die 2.000 € Erwerbseinkommen, über die wir gesprochen haben, sind dabei natürlich nur eine Beispielgröße.

Der interessante Gedanke dahinter ist für mich ein anderer: Wenn dein Lebensunterhalt nicht mehr ausschließlich von deiner Arbeit abhängen würde, könnte sich auch dein Verhältnis zur Arbeit verändern.

Du müsstest dann vielleicht nicht mehr alles machen, was Geld bringt.

Du könntest stärker auswählen: Was möchte ich noch machen? Was macht mir Spaß? Wo möchte ich meine Erfahrung noch einbringen?

Das könnte ein ziemlich angenehmer Unterschied sein und eine Idee hattest du ja am Mittwoch schon.

Und natürlich könntest du den Rentenbeginn auch noch etwas hinausschieben.

Dann kommen möglicherweise weitere Rentenansprüche dazu und – wenn die Voraussetzungen für einen Aufschub über die Regelaltersgrenze hinaus erfüllt sind – auch ein Zuschlag.

Aber auch hier gilt:

Das zusätzliche Geld hat seinen Preis – nämlich weitere Jahre, in denen du arbeitest, Stress hast und entsprechend weniger freie Zeit.

Deshalb würde ich auch hier nicht nur fragen: „Was bringt mir das finanziell?“ sondern auch: „Ist mir das zusätzliche Geld die zusätzliche Arbeitszeit wert?“

Ein bisschen rechnen kann trotzdem nicht schaden

Ich habe deshalb auch einmal überschlägig über die verschiedenen Möglichkeiten nachgedacht.

Wenn man beispielsweise unterschiedliche Rentenhöhen annimmt und daneben ein zusätzliches Erwerbseinkommen von etwa 2.000 € betrachtet, verschieben sich die Ergebnisse durchaus.

Bei einer angenommenen Rente von 1.500 € wäre das Weiterarbeiten mit deinem heutigen Einkommen zunächst deutlich günstiger.

Bei einer höheren Rente könnte dagegen die Kombination aus Rente und Weiterarbeit zunehmend interessant werden.

Aber: Das ist wirklich nur ein Rechenbeispiel.

Die tatsächliche Rentenhöhe kennen wir ja noch gar nicht.

Und außerdem verändert sich die Rente wiederum, wenn du länger arbeitest, aber das wird – wie du vermutest

Deshalb würde ich nicht nur fragen: „Was habe ich mit 68?“, sondern vielleicht auch: „Wie sieht mein Leben finanziell mit 70, 72, 75 oder 80 aus?“

Dann wird die Sache vielleicht interessanter.

 

Deine Miete gehört dabei unbedingt mit in die Rechnung

Die inzwischen ungefähr 950 € Warmmiete sind heute wahrscheinlich noch etwas ganz anderes als später.

Bei 4.500 € brutto ist das eine Größe, mit der du sicherlich umgehen kannst.

Wenn das Einkommen irgendwann deutlich niedriger ist, bekommt dieselbe Miete ein ganz anderes Gewicht.

Deshalb stimme ich deinen Überlegungen zu, immer dein gesamtes monatliches Leben zu betrachten: Rente und sonstiges Einkommen, Kranken- und Pflegeversicherung, Steuern, Miete, die übrigen regelmäßigen Ausgaben und schließlich das, was für deine persönlichen Wünsche und für Freizeit übrigbleibt.

Denn ich glaube nicht, dass dein Ziel ist, im Alter lediglich irgendwie zurechtzukommen.

Du sollst schließlich auch noch etwas davon haben.

 

Und falls es irgendwann einmal knapp werden sollte …

Du hattest mir ja gesagt, dass du Wohngeld oder Grundsicherung eigentlich nicht in Anspruch nehmen möchtest.

Das kann ich gut nachvollziehen, würde eine solche Möglichkeiten nicht völlig aus dem Kopf streichen.

Nicht als Teil deiner eigentlichen „Planung“, sondern eher als Sicherheitsnetz, falls sich irgendwann etwas anders entwickelt als heute gedacht.

Das Gleiche gilt auch für eine mögliche Unterstützung durch deine Kinder.

Ich weiß, dass du darauf möglichst nicht angewiesen sein möchtest, oder besser gesagt: es gar nicht möchtest.

Und das sollte auch nicht die Grundlage deiner Planung sein.

Deine eigene Altersversorgung sollte so aufgestellt sein, dass du grundsätzlich selbstständig zurechtkommst.

Aber wenn deine Kinder irgendwann einmal freiwillig etwas beitragen möchten und es ihnen möglich ist, wäre das eben eine zusätzliche Möglichkeit – und keine Voraussetzung für deine Planung.

Was ich deshalb als Erstes machen würde, würde ich eigentlich nur drei Dinge klären:

Erstens: Was steht tatsächlich in deinem Rentenkonto?

Zweitens: Was hat der Versorgungsausgleich aus deiner früheren Ehe konkret bewirkt?

Drittens: Sind die Kindererziehungszeiten für beide Kinder vollständig berücksichtigt?

Wenn diese drei Dinge klar sind, kann man viel besser schauen, was für dich sinnvoll sein könnte.

Dann könntest du beispielsweise einmal ganz nüchtern vergleichen:

  • jetzt Rente,
  • noch einige Jahre weiterarbeiten,
  • schrittweise reduzieren,
  • Rente und Teilzeitarbeit miteinander verbinden
  • oder den Rentenbeginn bewusst hinausschieben.

 

Und vielleicht stellt sich dabei sogar heraus, dass eine Kombination am besten zu dir passt.

Bei diesen Überlegungen hast du die Möglichkeit, dich – kostenfrei – von sog. „Versichertenältesten“ beraten zu lassen. Das sind von der Rentenversicherung unabhängige Ehrenamtler, die in aller Regel sehr gut geschult und engagiert sind.

Liebe Regina,

je länger ich darüber nachdenke, desto weniger glaube ich, dass die Frage „Wann gehe ich in Rente?“ für dich die entscheidende ist.

Vielleicht sind es eher diese Fragen:

„Wie möchte ich in den nächsten Jahren leben – und welche Arbeit passt zu diesem Leben?“

„Wie viel Arbeit möchte ich noch?“

„Wie viel freie Zeit möchte ich haben?“

„Was möchte ich noch erleben?“

„Was möchte ich mir finanziell leisten können?“

„Wie wichtig ist mir meine berufliche Tätigkeit?“

„Und wie viel Raum möchte ich für die Dinge haben, die außerhalb der Arbeit liegen?“

Ich glaube, dass diese Fragen mindestens genauso wichtig sind wie die Frage nach dem Rentenbeginn.

Vielleicht reicht es zunächst einmal, die Möglichkeiten herauszufinden.

Dann kannst du in Ruhe überlegen, welche davon wirklich zu dir passt.

Und wenn am Ende dabei herauskommt, dass du noch einige Jahre gerne weiterarbeitest, ist das genauso in Ordnung wie die Entscheidung, früher kürzerzutreten.

Es geht schließlich nicht darum, irgendeine „richtige“ Rentenentscheidung zu treffen.

Es geht darum, dass du die nächsten Jahre so gestalten kannst, dass sie zu dir und zu deinem Leben passen.

Das wäre für mich eigentlich der wichtigste Gedanke bei der ganzen Sache.

Vielleicht sollte wir darüber bald mal wieder reden.